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The Complete Work of Charles Darwin Online
Evolution ist doch bloß eine Theorie
Vorsicht Falle: Der Begriff "Theorie" bezeichnet in der Alltagssprache eine recht ungesicherte Aussage, dies würde in der Wissenschaft eher dem Begriff "Hypothese" entsprechen. In der Wissenschaft dagegen ist eine "Theorie" dagegen bereits durch viele Befunde abgesichert, fast schon entsprechend einem "Naturgesetz".

Wenn man also von Evolutions"theorie" spricht, wird damit eigentlich die sehr gute Beweislage betont!
Ich war doch nicht dabei
Evolutionsprozesse finden meist im Lauf sehr langer Zeiträume statt, bei Mikroorganismen kann man sie jedoch aufgrund deren schneller Generationenfolge dennoch direkt beobachten.
Aber es sind sich doch nicht einmal die Wissenschaftler darüber einig
Der Begriff "Evolution" bezeichnet einerseits den konkreten Ablauf der Stammes geschichtlichen Entwicklung des Lebens auf der Erde. Dieser Ablauf ist durch unzählige wissenschaftliche Beweise, u.a. auf genetischer, morphologischer und auch geologischer Ebene eindeutig belegt, auch wenn die Fossilgeschichte punktuell noch lückenhaft ist.

Der Begriff "Evolution" bezeichnet darüberhinaus auch die "Theorie*" (* zur Bedeutung s.o.), nach welchen Gesetzmäßigkeiten sich dieser Wandel vollzogen hat und auch immer noch vollzieht. Wenn sich zwei Wissenschaftler also über "Evolution" streiten, so geht es dabei nicht darum, ob die Stammes geschichtliche Entwicklung der Arten auf der Erde stattgefunden hat, sondern höchstens um Detailfragen zur Erklärung dieser an sich völlig unstrittigen Veränderung.
Nur der Stärkste überlebt
Erster Fehler: Erfolg bedeutet in evolutionärem Kontext, seine Gene in die nächste Generation zu bringen, indem man möglichst vielen eigenen Nachkommen das Überleben sichert. Dabei kann physische Stärke zwar von Vorteil sein, jedoch hat jede übertrieben ausgeprägte körperliche Eigenschaft auch ihren Preis, z.B. einen viel zu hohen Energieverbrauch durch die Muskulatur. Je nach Selektionfaktoren (Raubfeinde, Nahrungsagebot, Paarungspräferenz der Weibchen, Strategien zur Jungenaufzucht) können also ganz unterschiedliche Eigenschaftskombinationen vorteilhaft sein.

Zweiter Fehler: Nur falls zwei Arten in allen Aspekten der Nutzung ihres Lebensraums übereinstimmen, wird (meist unter Laborbedingungen) eine Art die andere verdrängen (Konkurrenzausschlussprinzip). Häufig wird eine der beiden im gleichen Lebensraum konkurrierenden Arten einen oder mehrere Umweltfaktoren unterschiedlich nutzen (sie belegt also eine andere ökologische Nische [Achtung: Dieser Nischen-Begriff ist nicht räumlich zu verstehen, sondern meint eine bestimmte Nutzungskombination!]). Auch eine Verlagerung des Lebensraums ist möglich, etwa durch Wanderungsbewegungen (z.B. Zugvögel).
„Wegen des Kampfes ums Leben [struggle for life] wird jede Variation [...], wenn sie in irgendeinem Grade nützlich für ein Individuum [...] ist, dazu tendieren, dieses Individuum zu erhalten und im Allgemeinen von seinen Nachkommen ererbt werden. Ich habe dieses Prinzip […] mit dem Namen natürliche Auslese bezeichnet“ (Charles Darwin, 1859)
„Bei den höheren Tieren ist es eine sehr allgemeine Tatsache, dass die Männchen gegeneinander um den Besitz der Weibchen kämpfen [...]. Aus diesem sehr allgemeinen Phänomen ergibt sich notwendigerweise eine Form der natürlichen Auslese, die die Vitalität und die Kampfkraft der männlichen Tiere erhöht [...]. Männliche Rivalität [...] ist offensichtlich eine echte Kraft in der Natur” (Alfred Russel, Wallace 1889)
Alles entwickelt sich immer höher in Richtung des Menschen
Aus unserer Wirbeltier- bzw. Säugetierperspektive scheinen viele Stammbaumschemata darauf hinzudeuten, jedoch könnte man z.B. beim Primatenstammbaum die letzten beiden Äste Schimpase und Mensch ohne Bedeutungsveränderung einfach um 180° drehen, so dass dann der Schimpase als "Krone" der Schöpfung erschiene. Das gleiche gilt ebenso für alle anderen Verzweigungen des Stammbaums.

Aufgrund der lückenhaften Fossilienüberlieferung wurden v.a. bei Stammbäumen zur Humanevolution häufig Seitenäste fälschlicherweise direkt in den Hauptast eingeordnet, so dass der Eindruck einer linearen Entwicklungsreihe mit einer scheinbar eindeutigen Tendenz (z.B. bzgl. des Gehirnvolumens) erweckt wird. Ähnliche Fehldarstellungen findet man z.B. auch beim Pferdestammbaum. Eigentlich gleichen alle diese Stammbäume eher stark verästelten "Stammbüschen" mit vielen ausgestorbenen Seitenästen. Weniger missverständlich wäre darüberhainaus auch eine Stammbaumdarstellung von links nach rechts.

Auch geologische Zeittafeln sind diesbezüglich eher irreführend, wenn darin z.B. vom "Zeitalter der Fische", gefolgt vom "Zeitalter der Amphibien", usw. die Rede ist. Es gibt keinen eindeutigen Trend hin zu höherer Kompexität, sondern dies sind eher erratische Skalen-Ausschläge. Allerdings wäre eine eigentlich angemessenere einheitliche Bezeichnung als "Zeitalter der Bakterien" für so ziemlich alle Erdzeitalter aus unserer Perspektive vielleicht etwas trostlos
„Es ist absurd, davon zu reden, dass ein Tier höher stehe als ein anderes. Wir Menschen betrachten diejenigen mit den entwickeltsten geistigen Fähigkeiten als die höchsten. Eine Honigbiene würde zweifellos die Instinkte als Kriterium heranziehen.“ (Charles Darwin, 1837)
„Da die Menschen aus genealogischer Sicht zu den Catarrhini [d.h. den Altwelt-Affen Afrikas und Asiens] gehören, müssen wir schließen, so sehr die Schlussfolgerung unseren Stolz verletzen mag, dass unsere frühen Vorfahren korrekterweise so bezeichnet werden müssten“ (Charles Darwin, 1871)
„Ich persönlich folgere, dass von allen Ursachen, die zu den Unterschieden im äußeren Erscheinungsbild der Menschenrassen führten, und zu einem gewissen Ausmaß zu denen zwischen Menschen und den niederen Tieren, die sexuelle Auslese mit Abstand die effektivste war“ (Charles Darwin, 1871).
„Durch die Evolutionstheorie wird es zu einer bemerkenswerten Revolution in der Naturwissenschaft kommen …
Die Psychologie wird auf die neue Grundlage gestellt.“ (Charles Darwin, 1859)
Warum soll ich das also glauben?
An Evolution muss (und kann) man nicht "glauben": Die Stammesgeschichtliche Entwicklung der Lebewesen auf der Erde ist einfach eine mit naturwissenschaftlichen Methoden eindeutig belegbare Tatsache, die Erklärungsmodelle für diese Entwicklung unterliegen den gleichen naturwissenschaftlichen Prüfkriterien wie alle anderen biologischen, chemischen oder physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Aus dieser Tatsache lässt sich weder eine Bestätigkung noch eine Falsifizierung religiöser Vorstellungen ableiten, solange diese Vorstellungen nicht die Grenzen ihres Zuständigkeitebereichs überschreiten und wie im Falle einer Ideologie versucht wird, auch naturwissenschaftliche Aussagen abzuleiten.
Evolution und Schöpfung entspringen zwei voneinander getrennten Erkenntniswegen. Beide geben aber Motive zum verantwortlichen Handeln.
„Es liegt etwas Erhabenes in dieser Ansicht vom Leben, das, mit seinen vielfältigen Kräften, ursprünglich einigen wenigen oder nur einer Form eingehaucht wurde, und – während sein Planet fortwährend kreist nach den ehernen Gesetzen der Schwerkraft – , sich aus einem so einfachen Beginn zu unendlich vielen schönster und wundervollster Formen entwickelt hat und noch entwickelt.“ (Charles Darwin, 1859)
Ein paar dieser Tiere bemerkten dann, welche Eigenschaft gut für sie wäre und bildeten diese dann auch aus
Nach der überholten frühen Theorie zur Erklärung des Artenwandels von Lamarck ist der Gebrauch bzw. Nichtgebrauch von Organen für ihre Ausprägung entscheidend und diese erworbenen Eigenschaften würden dann auch an die Nachkommen weitervererbt.

Tatsächlich variieren aber die Individuen in einer Population sehr stark bezüglich ihrer Merkmale und je nach Veränderung der Umwelt kann sich dann eine bereits vorhandene Merkmalsausprägung als vorteilhaft erweisen (Präadaption). Die Erbinformation für dieses Merkmal wird dann an die Nachkommen dieser Individuen weitergegeben, so dass sich diese Merkmalsausprägung im laufe mehrer Generationen in der Population durchsetzt. Wie sich der jeweilige Selektionsfaktor ändert ist vorher nicht voherzusagen!

Die spontanten Mutationen, die neben der genetischen Rekombination, v.a. durch geschlechtliche Fortpflanzung die Grundlage für die große Variabilität sind, erfolgen zufällig! Erst die Selektion verleiht dann gewissermaßen eine "Richtung".
Wie soll den aus einer Fliege ein Mensch werden?
Dass sich eng verwandte Arten aufspalten oder verändern ist leicht einzusehen. Dieser von Kreationisten "Mikroevolution" genannte Prozess wird daher inzwischen sogar von vielen Kreationisten akzeptiert, die nun trickreich versuchen, die sogenannte "Makroevolution", also die Entstehung höherer taxonomischer Gruppen (z.B. von Tierstämmen) als unmöglich hinzustellen. Tatsächlich ist die "Makroevolution" jedoch nur eine fortgesetzte "Mikroevolution" (also "stinknormale" Evolution) über sehr lange Zeiträume hinweg.

Die einzige systematische Einheit, die für die Evolution entscheidend ist, ist die Art. Alle höheren Ordnungskategorien (aufsteigend: Gattung, Familie, Ordnung, Klasse, Stamm, Reich; vgl. auch Lernprogramm Systematiker) dienen nur als künstliche Hilfsmittel für eine einfachere Einordnung der Verwandtschaftsverhältnisse.